Woher kommen eigentlich die zukünftigen Kolleginnen und Kollegen? Viele Fachberufe stehen mittlerweile vor einem großen personellen Problem:
- Es fehlt an gut ausgebildeten Fachkräften, um eine flächendeckende und qualitativ hochwertige Versorgung sicherzustellen.
- Doch woher sollen diese Fachkräfte kommen, wenn sie nicht von allein auf den wunderbaren Beruf aufmerksam werden?
- Die Aufgabe besteht also darin, Menschen zu finden und sie für die Podologie zu begeistern.
Gerade in der Podologie lassen sich im Wesentlichen zwei Gruppen von Kolleginnen und Kollegen ausmachen: Die einen haben den Beruf bereits innerhalb der Familie kennengelernt – häufig über die Mutter oder andere Angehörige. Die anderen sind über eine Weiterbildungs- oder Umschulungsmaßnahme zur Podologie gekommen.
Das zeigt ein Problem: Für viele Menschen ist der Beruf schlicht nicht bekannt. Gleichzeitig gibt es in vielen Regionen nicht genügend Podologinnen und Podologen. Der Fachkräftemangel ist damit nicht nur ein Problem einzelner Praxen, sondern betrifft zunehmend die Versorgung unserer Patientinnen und Patienten.
Zu wenig qualifizierte Fachkräfte für den Bedarf
Natürlich können wir versuchen, neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über die Agentur für Arbeit oder klassische Stellenanzeigen zu gewinnen, um Menschen die Möglichkeit zu geben, den Beruf kennenzulernen. Das kann funktionieren. Allerdings bleiben qualifizierte Fachkräfte häufig nicht lange auf dem freien Arbeitsmarkt, sondern werden relativ schnell von anderen Praxen eingestellt.
Was deshalb vor allem fehlt, sind Menschen, die den Beruf neu entdecken und sich bewusst für die Podologie entscheiden. Eine Methode, die sich gut bewährt hat, ist dabei erstaunlich einfach: Menschen in die Praxis einladen und ihnen unseren Beruf zeigen. Dafür braucht es zunächst keine aufwendige Kampagne. Eine einfache Einladung und ein authentischer Einblick können bereits viel bewirken.
Denn der Beruf bietet viele Facetten, die für Menschen bei einer beruflichen Neuorientierung interessant sein können: Er lässt sich gut planen, kann familienfreundliche Arbeitsmodelle ermöglichen und bietet eine fachlich interessante und verantwortungsvolle Tätigkeit mit engem Kontakt zu Menschen. Natürlich ist auch die Podologie kein Beruf ohne Herausforderungen. Sie bedeutet Arbeit, Verantwortung und Disziplin. Genau deshalb ist es wichtig, Interessierten keinen idealisierten Beruf zu präsentieren, sondern ihnen den echten Praxisalltag zu zeigen.
Ein Tag Praktikum kann mehr bewirken als zehn Stellenanzeigen
Eines der größten Probleme ist dabei, dass Menschen gar nicht wissen, was Podologie eigentlich ist. Um das zu ändern, können Sie regelmäßig interessierte Personen – unabhängig von ihren bisherigen beruflichen Erfahrungen – zu einem Praktikum einladen. Das Prinzip ist denkbar einfach:
- Einen Tag als Podologin oder Podologe miterleben.
- Die Interessierten können die Abläufe kennenlernen, das Team erleben, beobachten, wie der Umgang mit Patientinnen und Patienten funktioniert – und einen ganz normalen Tag in der Praxis miterleben.
Authentischer kann man einen Beruf kaum kennenlernen. Und genau darin liegt die große Chance. Denn vielleicht stellt die interessierte Person am Ende des Tages fest: „Das könnte etwas für mich sein.“ Vielleicht entscheidet sie sich tatsächlich für eine Ausbildung zur Podologin oder zum Podologen. Vielleicht aber auch nicht. Und auch das ist völlig in Ordnung. Das Ziel sollte nicht sein, jeden Praktikanten unbedingt zum Podologen zu machen, sondern den Beruf bekannter zu machen und Menschen die Möglichkeit zu geben, ihn kennenzulernen.
Wir suchen nicht nur Podologinnen und Podologen
Ein weiterer wichtiger Punkt wird dabei häufig übersehen: Nicht jede Person, die sich für die Praxis interessiert, muss später selbst podologisch arbeiten. Vielleicht haben Sie gerade eine zukünftige Mitarbeiterin für den Empfang kennengelernt oder eine Person, die sich für Praxisorganisation und Praxismanagement interessiert. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir jeden Tag mit unglaublich vielen Menschen zu tun haben. Diese Menschen bringen unterschiedliche Erfahrungen, Fähigkeiten und Ausbildungen mit. Warum sollten wir dieses Umfeld also nicht nutzen?
Wenn Sie beispielsweise merken, dass eine Patientin oder eine andere Person, die Sie im Praxisalltag kennenlernen, grundsätzlich Interesse an einer beruflichen Veränderung hat, können Sie ihr oder ihm doch einmal zeigen, wie es bei uns in der Praxis aussieht. Natürlich ist das immer eine gewisse Gratwanderung. Schließlich stehen Sie in einem professionellen Verhältnis zu Ihren Patientinnen und Patienten. Aber wenn sich im Gespräch ein echtes Interesse ergibt, kann es durchaus sinnvoll sein, diese Möglichkeit aufzuzeigen.
Sichtbarkeit beginnt vor der eigenen Praxistür
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, sich stärker nach außen zu öffnen. Dazu gehören die sozialen Medien genauso wie das eigene Umfeld vor Ort. Beides bietet viele Möglichkeiten. Warum nicht einmal einen Vortrag in einer Schule anbieten oder mit einem Kindergarten zusammenarbeiten? Gerade Kindergärten bieten interessante Möglichkeiten, bereits früh für das Thema Fußgesundheit zu sensibilisieren. Man könnte beispielsweise gemeinsam mit den Kindern eine kleine Aktion durchführen, bei der die Füße spielerisch entdeckt werden. Möglich wären beispielsweise Trittschaum-Aktionen oder ein gemeinsames Plakat, auf dem die Kinder ihre Fußabdrücke hinterlassen. Im Anschluss könnte beispielsweise bei einem Elternabend ein kleiner Vortrag zum Thema Fußgesundheit stattfinden.
Solche Aktionen haben gleich mehrere Vorteile. Zum einen werden Eltern für die Fußgesundheit ihrer Kinder sensibilisiert und erhalten die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Zum anderen bekommen Menschen überhaupt erst einmal einen Einblick in die Arbeit. Und genau dann entsteht wiederum eine Chance, den Beruf vorzustellen. Vielleicht sitzt im Publikum jemand, der sich gerade beruflich neu orientieren möchte. Vielleicht entsteht daraus ein Praktikum. Vielleicht eine Ausbildung. Vielleicht gewinnen Sie dadurch irgendwann eine neue Kollegin oder einen neuen Kollegen.
Quereinsteiger bringen wertvolle Erfahrungen mit
Gehen Sie viel offener auf Menschen zu, die bereits Berufserfahrung aus anderen Bereichen mitbringen. Es zeigt sich beispielsweise immer wieder, dass Menschen aus dem pflegerischen Bereich die Podologie als Möglichkeit für eine berufliche Neuorientierung entdecken. Sie bringen bereits Erfahrungen im Umgang mit Menschen, medizinisches Grundverständnis und soziale Kompetenzen mit. Gleichzeitig kann die Podologie für manche Menschen eine interessante Alternative sein, wenn sie sich beruflich verändern möchten und die körperlichen Belastungen ihres bisherigen Berufs reduzieren wollen.
Auch Menschen mit einer Ausbildung im kosmetischen Bereich können interessante Quereinsteiger sein. Viele stellen während ihrer Tätigkeit in der Kosmetik fest, dass das Thema Füße wesentlich größer und komplexer ist, als sie zunächst angenommen haben. Eine Ausbildung zur Podologin oder zum Podologen kann ihnen anschließend die Möglichkeit geben, sich fachlich deutlich weiterzuentwickeln und Menschen auf eine andere und umfassendere Weise zu unterstützen.
Das betrifft aber nicht nur diese klassischen Beispiele. Es gibt Podologinnen und Podologen, die vorher beispielsweise als Maurer, IT-Spezialisten oder bei einer Krankenkasse gearbeitet haben. Der berufliche Hintergrund ist also nicht zwangsläufig entscheidend. Entscheidend sind vielmehr Interesse, Motivation und die Bereitschaft, etwas Neues zu lernen.
Nachwuchs beginnt nicht erst nach der Schule
Zudem sollten Sie nicht nur Quereinsteiger im Blick haben. Auch junge Menschen, die vielleicht gerade ihre erste Ausbildung planen, sollten die Möglichkeit bekommen, den Beruf kennenzulernen. Ein Praktikum kann hier eine hervorragende Möglichkeit sein. Denn warum sollte jemand eine Ausbildung in einem Beruf beginnen, von dem er vorher kaum etwas weiß?
Zeigen Sie jungen Menschen, welche Möglichkeiten die Podologie bietet und wie abwechslungsreich der Arbeitsalltag sein kann. Vielleicht ist Podologie genau die berufliche Perspektive, nach der jemand gesucht hat – ohne bisher überhaupt davon gewusst zu haben.
Wir müssen selbst aktiv werden
Die Not macht erfinderisch. Seien Sie mutig und tragen Sie die positiven Seiten unseres Berufes nach außen. Warten Sie nicht darauf, dass Menschen die Podologie irgendwann zufällig entdecken. Je mehr der Beruf sichtbar wird, desto mehr Menschen können für die Podologie begeistert werden – gleichzeitig hilft das gegen den Fachkräftemangel. Denn es gibt heute schon in vielen Regionen zu wenige Podologinnen und Podologen, um alle Patientinnen und Patienten so zu versorgen, wie es notwendig wäre. Den Nachwuchs nicht zu fördern, bedeutet, dass es zunehmend schwieriger wird, die bestehende Versorgung aufrechtzuerhalten.
Für viele Patientinnen und Patienten könnte das bedeuten, dass sie keinen Podologen in ihrer Nähe finden oder möglicherweise lange auf einen Termin warten müssen. Das kann und darf nicht das Ziel sein. Deshalb noch einmal der Appell: Ermutigen Sie Menschen zum Quereinstieg in die Podologie. Dabei spielt es zunächst keine entscheidende Rolle, aus welchem beruflichen Bereich jemand kommt, sondern die Möglichkeit, den Beruf kennenzulernen.
Fazit
Laden Sie zu einem Praktikum ein, gehen Sie in Schulen, Kindergärten und andere Einrichtungen. Nutzen Sie soziale Medien, um zu zeigen, was Podologie wirklich bedeutet. Und zeigen Sie vor allem eines: warum Sie diesen Beruf selbst gerne machen. Denn manchmal braucht es gar keine große Kampagne. Manchmal braucht es nur eine Einladung, einen Tag in der Praxis, ein ehrliches Gespräch und die Möglichkeit, zu erkennen: „Vielleicht ist das genau der Beruf, den ich gesucht habe.“
Praktika sind dafür eine einfache, authentische und wirkungsvolle Möglichkeit, Menschen für die Podologie zu begeistern und potenzielle neue Kolleginnen und Kollegen kennenzulernen. Nutzen Sie diese Möglichkeit regelmäßig. Denn wenn wir wollen, dass die Podologie auch in Zukunft gut aufgestellt ist, müssen wir heute damit beginnen, unseren Beruf sichtbar zu machen und Menschen dafür zu begeistern.