Die elektronische Patientenakte und ihre Bedeutung für die Podologie

Die elektronische Patientenakte und ihre Bedeutung für die Podologie


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Die elektronische Patientenakte soll den Austausch von relevanten Informationen zum Patienten erleichtern. Bild: Aksaka | stock.adobe.com

Die elektronische Patientenakte (ePA) ist eine digitale Sammlung aller wichtigen Gesundheitsdaten eines Patienten. Statt Papierakten werden Befunde, Arztbriefe und Therapieberichte sicher digital gespeichert. In Deutschland wird die ePA von den gesetzlichen Krankenkassen bereitgestellt. Ziel ist es, Informationen schneller verfügbar zu machen und die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Behandlern zu verbessern und zu vereinfachen.

In der ePA können zum Beispiel Diagnosen, Medikationspläne, Befunde und Therapieberichte gespeichert werden. Der Patient entscheidet selbst, wer auf diese Daten zugreifen darf. Das erhöht die Transparenz und stärkt die Selbstbestimmung. In Notfällen soll so eine genauere Behandlung gewährleistet werden, da der Notfallsanitäter alle relevanten Informationen sofort abrufen kann.

 

Auswirkungen auf den Praxisalltag in der Podologie

Gerade in der Podologie kann die elektronische Patientenakte viele Vorteile bringen. Podologinnen und Podologen behandeln häufig Patienten mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus. Bei diesen Patienten ist es wichtig, über aktuelle Diagnosen, Blutzuckerwerte oder Wundberichte informiert zu sein. Über die ePA können relevante Informationen schneller eingesehen und mit dem Arzt geteilt werden – natürlich nur mit Zustimmung des Patienten und unter Einhaltung der nötigen Datenschutzbestimmungen. Dass Patienten aus Sicht der Fachkreise hiervon profitieren, geht auch aus Daten des GEHWOL Diabetes-Reports 2025 hervor. Die Mehrheit der befragten Podologinnen und Podologen zeigt sich demnach zuversichtlich, dass die ePA die Patientenversorgung bereichert.

Ein großer Vorteil ist die bessere interdisziplinäre Zusammenarbeit, wenn ein Hausarzt, ein Diabetologe und ein Podologe zusammenarbeiten, können alle Beteiligten auf denselben Informationsstand zugreifen. Das reduziert Missverständnisse und Doppeluntersuchungen. Insbesondere werden Fehlinformationen, die durch Unwissenheit des Patienten entstehen, nicht falsch weitergetragen.

Auch im Bereich der Wundversorgung spielt die ePA eine wichtige Rolle. Chronische Wunden müssen regelmäßig dokumentiert werden. Fotos, Therapieverläufe und Behandlungspläne können digital gespeichert werden. So lässt sich der Heilungsverlauf besser nachvollziehen. Das spart Zeit und verbessert die Qualität der Behandlung.

 

Zeitersparnis und Organisation

Im Praxisalltag bedeutet die Umstellung auf digitale Dokumentation zunächst eine Eingewöhnungsphase. Mitarbeiter müssen geschult werden und neue Abläufe lernen. Langfristig kann die ePA jedoch Zeit sparen. Das Suchen nach Papierakten entfällt, Dokumente sind mit wenigen Klicks verfügbar. Auch das Versenden von Berichten an Ärzte wird einfacher, da diese digital übertragen werden können und nachvollziehbar ist, ob sie auch erhalten und gelesen wurden. Ein „ist bei uns nicht eingegangen“ hat damit ein Ende.

Ein weiterer Vorteil ist die strukturierte Dokumentation. Digitale Systeme arbeiten oft mit Formularen und Pflichtfeldern. Das sorgt dafür, dass wichtige Angaben nicht vergessen werden. Gleichzeitig unterstützt die Software bei der Einhaltung gesetzlicher Vorgaben, zum Beispiel beim Datenschutz (Schutz persönlicher Daten).

 

Herausforderungen

Trotz vieler Vorteile gibt es auch Herausforderungen. Technische Probleme oder Systemausfälle können den Praxisablauf stören. Außerdem müssen hohe Anforderungen an die Datensicherheit erfüllt werden, da Informationen rund um die Gesundheit des Patienten zu den besonders sensiblen Daten zählen. Daher sind Verschlüsselung und sichere Zugriffsrechte sehr wichtig. Auch die im Vorfeld entstehenden Kosten für Anschaffungen, Schulung und Infrastruktur, die zunächst getragen werden müssen, sind nicht unerheblich. Allerdings werden diese erstattet. Zudem führt mittelfristig kein Weg an der ePA vorbei, es sei denn, man verlässt das GKV-System und rechnet nur noch privat ab. Ein weiterer Punkt ist die Akzeptanz bei Patienten und Mitarbeitern. Manche Patienten stehen digitalen Lösungen skeptisch gegenüber. Hier ist Aufklärung wichtig.

 

Fazit

Die elektronische Patientenakte bietet für die Podologie große Chancen. Sie verbessert die Zusammenarbeit, erhöht die Behandlungsqualität und kann langfristig Zeit sparen. Gleichzeitig erfordert sie technische Ausstattung, Schulung und sorgfältigen Datenschutz. Richtig eingesetzt kann sie den Praxisalltag moderner, strukturierter und effizienter machen – zum Vorteil von Behandlern und Patienten. Es ist ein guter und richtiger Schritt zur digitalen Praxis und deshalb sollten wir jetzt beginnen.

Hilfe zur Umsetzung bietet die Website www.gematik.de, ebenso die Informationsangebote von Verbänden oder Abrechnungsanbietern. So besteht schon vor der Anbindung an die Telematikinfrastruktur die Möglichkeit, das System einzurichten und teilweise zu nutzen. Also packen wir es an.

Unser Autor

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Eskild Sörensen
Podologe, Dozent im Gesundheitswesen, Ausbilder IHK, eigene Praxis, Experte auf dem Gebiet der Nagelkorrektur, weltweiter Einsatz als Dozent, unter anderem in der Ukraine und China
Bad Pyrmont