Bis etwa zum dritten Lebensjahr ist es normal, dass Kinder ihre Füße nicht immer gerade aufsetzen. Das liegt daran, dass Knochen, Sehnen und Muskeln unterschiedlich schnell wachsen und sich noch in der Entwicklung befinden. In vielen Fällen handelt es sich dabei um vorübergehende, natürliche (physiologische) Veränderungen.
Bleiben auffällige Fußstellungen jedoch über das dritte Lebensjahr hinaus bestehen, sollte ein Orthopäde darauf schauen. In manchen Fällen kann eine angeborene Fehlstellung vorliegen, zum Beispiel im Hüftbereich. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen angeborenen und im Laufe des Lebens erworbenen Fehlstellungen.
Häufige Fußdeformitäten im Kindesalter
- Knickfuß
- Senkfuß
- Spreizfuß
- Plattfuß (ausgeprägte Form des Senkfußes)
- Spitzfuß
- Klumpfuß
- Hackenfuß
- Hohlfuß
- Sichelfuß
Die Beschwerden hängen von Art und Ausprägung der Fehlstellung ab und bestimmen die therapeutischen Möglichkeiten.
Der kindliche Knick-Senkfuß (Pes plano-valgus)
Der kindliche Knick-Senkfuß – auch kindlicher Knick-Plattfuß oder Pes plano-valgus genannt – ist eine sehr häufige und meistens harmlose Fußfehlstellung bei Kindern.
Der Grund dafür liegt in den besonderen Eigenschaften des wachsenden Körpers. Das Skelett ist noch nicht vollständig entwickelt, und auch die stabilisierenden Strukturen wie Muskeln, Gelenkkapseln und Bänder sind noch nicht stark genug ausgeprägt. Deshalb spricht man von einem physiologischen Knick-Senkfuß (also einer normalen, altersbedingten Erscheinung).
Oft fällt diese Fußstellung erst auf, wenn das Kind laufen lernt. Der Gang selbst ist aber in der Regel nicht beeinträchtigt. In den meisten Fällen reguliert sich das Fußgewölbe mit der Zeit von allein. Als krankhaft gelten nur:
- stark ausgeprägte Formen mit eingeschränkter Beweglichkeit
- Knick-Senkfüße, die über das sechste Lebensjahr hinaus bestehen bleiben
- Fehlstellungen, die Schmerzen oder funktionelle Einschränkungen verursachen
Präventive Maßnahmen
Um Fehlstellungen entgegenzuwirken, sollten Podologen Eltern folgende Empfehlungen mitgeben:
- Kinder häufig barfuß laufen lassen
- Spielerische Fußgymnastik fördern (z. B. Greifübungen mit den Zehen, Zehenspitzenstand)
- Bewegung im Alltag unterstützen
Therapie
Für die Therapie bei Beschwerden oder einer zunehmend ausgeprägten Fehlstellung gehören unter anderem diese Maßnahmen:
- Orthopädische Einlagen
- Physiotherapie bzw. krankengymnastische Übungen
- Bei übergewichtigen (adipösen) Kindern: Ernährungsberatung und Gewichtsreduktion
Operative Maßnahmen
Eine Operation ist nur in schweren Fällen notwendig, wenn andere Behandlungen nicht helfen und deutliche Schmerzen oder Einschränkungen bestehen. Man unterscheidet dabei:
- Weichteiloperationen zur Verbesserung der Zugverhältnisse von Muskeln und Sehnen
- Knöcherne Korrekturoperationen bei schweren Formen oder neurologischen Grunderkrankungen
Podologie für Kinder – praktische Hinweise für die Fußpflege
Für Podologen und Eltern gelten bei der Kinderfußpflege besondere Grundsätze:
- Hygiene: Nach dem Waschen sollten die Füße – insbesondere die Zehenzwischenräume – sorgfältig abgetrocknet werden, um Hautirritationen oder Pilzinfektionen vorzubeugen.
- Nagelpflege: Die Nagelpflege gestaltet sich bei Kindern häufig schwieriger als bei Erwachsenen, da Ängste oder Unsicherheiten bestehen können. Wichtig dabei ist:
- kein Zwang beim Schneiden der Nägel
- Ängste ernst nehmen
- statt einer Schere können auch geeignete Feilen verwendet werden – diese werden oft besser akzeptiert
- ein sanftes und spielerisches Vorgehen fördert die Kooperation
Mit etwas Übung gelingt die Anwendung von Feilen problemlos und stressfrei.
Im Schulalter sind die meisten Kinder in der Lage, ruhig zu sitzen und sich die Nägel mit geeignetem Instrumentarium schneiden zu lassen.