Podologie- und Fußpflegepraxen stehen heute vor stetiger Veränderung. Neue gesetzliche Anforderungen, steigende Kosten, Fachkräftemangel oder veränderte Erwartungen der Kundinnen und Kunden fordern unternehmerisches Denken. Gleichzeitig wächst der Wunsch vieler Praxisinhaberinnen und -inhaber nach mehr Klarheit, Struktur und persönlicher Zufriedenheit im Berufsalltag.
Veränderung kann dabei zwei Gesichter haben:
- Kaufmännisch gedacht:
Vielleicht möchten Sie Ihren Umsatz stabilisieren, neue Leistungen einführen, effizientere Terminstrukturen schaffen oder Ihr Team klarer führen.
- Emotional gedacht:
Vielleicht wünschen Sie sich mehr Leichtigkeit im Praxisalltag, mehr Wertschätzung, weniger Stress oder das gute Gefühl, wirklich am richtigen Platz zu sein.
Beides gehört zusammen. Denn jede unternehmerische Veränderung beginnt mit einer inneren Entscheidung – und mit einem klaren Ziel.
Zielklarheit als Fundament von Veränderungsprozessen
Die Grundlage jedes erfolgreichen Veränderungsprozesses ist ein klar definiertes Ziel. Erst wenn wir genau wissen, wohin wir wollen, erhalten unsere Handlungen Richtung und Schärfe. Dadurch können wir Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden und konsequent auf das gewünschte Ergebnis hinarbeiten. Wir richten unser Tun gezielt auf den Zustand aus, den wir erreichen möchten – und nutzen dafür bewusst unsere Entscheidungen und Ressourcen.
Dieser Vorgang wird auch Ergebnisbestimmung oder Outcome-Frame genannt. Er beschreibt eine gedankliche Reise vom aktuellen Zustand hin zum gewünschten Zustand – mithilfe der sogenannten Als-ob-Technik. Wir denken und handeln so, als sei das Ziel bereits erreichbar.
Was zunächst nur ein inneres Bild ist, wird Schritt für Schritt zur Realität. Der Mensch wird zum aktiven Gestalter seiner Entwicklung. Unsere Vorstellungen prägen unser Handeln – und damit unsere Wirklichkeit.
Damit Zielsetzung wirksam wird, braucht sie jedoch klare, überprüfbare Kriterien.
Kriterien für ein gut formuliertes Ziel
1. Positiv formuliert
Unser Gehirn denkt in Richtungen. Ziele sollten auf etwas hinführen – nicht von etwas weg. Statt „Ich will weniger Stress“ besser: „Ich arbeite strukturiert und gelassen durch meinen Praxistag.“
2. Eigene Einflussnahme
Die Zielerreichung muss im eigenen Verantwortungsbereich liegen. Wenn das Ergebnis überwiegend von anderen abhängt, entstehen Abhängigkeiten oder Blockaden.
3. Spezifisch und präzise
Was genau wirst du sehen, hören oder fühlen, wenn das Ziel erreicht ist? Wer ist beteiligt? Wann und wie zeigt sich der Erfolg konkret?
4. Nachweisbar
Woran erkennst du eindeutig, dass das Ziel erreicht ist?
Kaufmännische Ziele lassen sich messen, zählen oder vergleichen. Emotionale Ziele benötigen eine feine innere Erfolgskalibrierung: Wie fühlt es sich an? Was ist anders als zuvor? Der Beweis sollte möglichst sinnlich wahrnehmbar sein (sehen, hören, fühlen).
5. Ressourcen klären
Welche inneren und äußeren Ressourcen sind notwendig?
Innere Ressourcen: Fähigkeiten, Kompetenzen, mentale Zustände.
Äußere Ressourcen: Zeit, Geld, Materialien, Unterstützung.
6. Angemessene Größe
Ein Ziel darf weder überfordern noch unterfordern.
Große Vorhaben lassen sich in Etappenziele oder Meilensteine unterteilen.
7. Ökologischer Rahmen
Was verändert sich im Gesamtsystem (Praxis, Team, Familie, Umfeld), wenn das Ziel erreicht wird?
Bleiben positive Aspekte des bisherigen Zustands erhalten? Ist die Veränderung stimmig und verantwortbar? Jede Praxis ist ein System – jede Veränderung wirkt sich auf alle Beteiligten aus.
Methodische Einordnung: Selbstcoaching mit Zeitlinie und Kartenarbeit
Die folgenden Schritte beschreiben eine strukturierte Selbstcoaching-Methode aus dem systemischen Veränderungsmanagement.
Gearbeitet wird mit:
- einer am Boden ausgelegten Zeitlinie (z. B. mit Moderationsband oder Papierstreifen)
- Karten (Moderationskarten), auf denen einzelne Handlungsschritte oder Ressourcen notiert werden
- bewusstem körperlichem Positionieren im Raum
Durch das physische Begehen der Schritte wird der Veränderungsprozess nicht nur gedacht, sondern erlebt. Das erhöht Klarheit, Motivation und Verbindlichkeit – besonders für Praxisinhaberinnen und -inhaber, die Entscheidungen nicht nur rational, sondern ganzheitlich treffen möchten.
Möglichkeit zum Selbstcoaching: Schritte zum Ziel
1. Zielfindung
Formuliere ein Ziel, das du beispielsweise in fünf Jahren erreicht haben möchtest – beruflich oder persönlich. Wer möchtest du dann sein? Wie soll dein Praxisalltag aussehen? Was tut dir gut?
2. Ziel visualisieren
Erzeuge ein inneres Bild deines zukünftigen Selbst, das dieses Ziel bereits erreicht hat – als würdest du dich von außen betrachten. Optimiere das Bild, bis es sich stimmig anfühlt.
3. Ziel auf der Zeitlinie platzieren
Lege deine Zeitlinie am Boden aus. Markiere deinen heutigen Standort sowie den Punkt des erreichten Ziels.
4. Ausgangspunkt einnehmen
Stelle dich auf den Startpunkt und frage dich:
„Was kann ich ganz konkret als Nächstes tun, um meinem Ziel näherzukommen?“
Notiere diese Handlung auf eine Karte, lege sie auf den Boden und gehe diesen Schritt bewusst.
5. Nächsten Schritt bestimmen
Stelle dir erneut die gleiche Frage und lege die nächste Karte aus.
6. Weitergehen
Gehe Schritt für Schritt weiter, Karte für Karte.
7. Ressourcen prüfen
Fällt dir ein Schritt schwer, fehlt möglicherweise eine Ressource. Frage dich:
„Was brauche ich, um diesen Schritt gehen zu können?“
Notiere die Ressource auf einer separaten Karte, stelle dich darauf und nimm wahr, wie es sich anfühlt, sie zur Verfügung zu haben.
8. Mit der Ressource weitergehen
Gehe gestärkt weiter und bestimme den nächsten konkreten Handlungsschritt.
9. Prozess wiederholen
Wiederhole diese Abfolge, bis du den Zielpunkt erreichst.
10. Am Ziel ankommen
Nimm bewusst wahr:
Wie fühlt sich Zielerreichung an?
Woran erkennst du eindeutig, dass du angekommen bist?
11. Rückblick vom Ziel aus
Drehe dich um und betrachte deinen Weg.
Welchen ermutigenden Satz möchtest du dir aus der Perspektive des erreichten Ziels mitgeben? Notiere ihn.
12. Karten einsammeln
Sammle alle Karten in umgekehrter Reihenfolge wieder ein – vom Ziel zurück zum Startpunkt. So integrierst du den Prozess bewusst.
Fazit: Veränderung beginnt mit einem ersten Schritt
Veränderung ist kein abstraktes Großprojekt – sie beginnt oft im Kleinen: mit einem klaren Ziel, einem bewussten nächsten Schritt und dem Mut, sich selbst neu auszurichten.
Gerade in Podologie- und Fußpflegepraxen, wo fachliche Verantwortung und persönlicher Einsatz täglich zusammenkommen, ist Veränderungsmanagement nicht nur eine betriebswirtschaftliche Aufgabe, sondern auch eine Frage der inneren Haltung.
Wer weiß, wohin er will, kann Entscheidungen leichter treffen, Ressourcen gezielter einsetzen und den Praxisalltag aktiv gestalten – statt nur auf äußere Umstände zu reagieren.
Die wichtigste Botschaft lautet daher:
Transformation entsteht nicht durch Druck, sondern durch Klarheit.
Und jeder Weg beginnt mit dem ersten konkreten Schritt.