Das subunguale Hämatom

Das subunguale Hämatom


Featurebild

Bild: pavel1964 | stock.adobe.com

Bei einem subungualen Hämatom (Bluterguss) handelt es sich um eine Blutung, durch Läsion der Gefäße, unterhalb der Nagelplatte am Zeh oder Finger.

 

Ursachen

  • Direkte stumpfe Gewalteinwirkung durch Fallenlassen schwerer Gegenstände, Anstoßen oder Quetschung der Zehen an der Bettkante oder Türrahmen (Abb. 1);
  • Intensive sportliche Betätigung in unpassenden Schuhen mit Druck und Reibung auf den Nagel, wie zum Beispiel aufgrund zu kurzer, zu enger Schuhe, sowie fehlende Distanz der längsten Zehe bis zum Schuhvorderrand von 0,8 bis 1 Zentimeter für den Stand (Abb. 2 a und b);
  • Permanente Erschütterungen des Nagels (Abb. 3);
  • Quetschung der Finger an der Autotür oder Einklemmung in einer Schublade;
  • Spielen von einigen Instrumenten mit permanentem Druck auf die Fingerendglieder
Bild1a

Abb. 1: Posttraumatisches subunguales Hämatom (bei einem 63-jährigen Mann) der linken Großzehe durch stumpfe Gewalteinwirkung eines herunterfallenden Holzblocks.

Bild2a
Bild2b

Abb. 2 a (links): Subunguales Hämatom an der rechten Großzehe bei einem 62 Jahre alten Mann durch Druck zu kurzen Schuhen mit harter Vorderkappe (ehemaliger Fußballer). Abb. 2 b (rechts): Abheilung nach Verwendung passender Schuhe.

Bild3

Abb. 3: Subunguales Hämatom der rechten Großzehe durch permanenten Druck und Erschütterung im Beruf bei einem 58-jährigen Mann.

 

Klinische Symptomatik

Typisch ist eine plötzliche sichtbare Blutung unter dem Nagel, zunächst mit roter, im weiteren Verlauf dunkelroter bis letztlich schwarzer Verfärbung. Des Weiteren kann es zu einer Anhebung des Nagels kommen. Unmittelbar nach der Ursache treten heftige, pochende, klopfende und pulsierende Schmerzen auf. Im weiteren Verlauf ist eine Schwellung im umgebenden Nagelbett möglich. Bei Lockerung des Nagels kann es zur Onycholyse (Ablösung aus dem Nagelbett) oder zur Onychomadese (Nagelverlust von der Wurzel aus) kommen. Letztlich kann sich durch die Läsion eine dauerhafte Wachstumsstörung des Nagels entwickeln.

 

Diagnose

Anfangs erfolgt die Erhebung einer expliziten Anamnese, vor allem in Hinblick auf exogen auslösende Ursachen. Bei der nachfolgenden Inspektion fällt sofort die rot, später blau bis schwarze Verfärbung unter dem Nagel auf (subungual). Liegen Quetschungen oder stumpfe Gewalt des betroffenen Finger- oder Fußnagels vor, sind konventionelle Röntgenaufnahmen in zwei Ebenen zur Abklärung einer zusätzlichen Fraktur (Knochenbruch) des Zehs oder Fingers notwendig. Zu beachten ist: Wenn der Verdacht auf ein Melanom (bösartiger Tumor mit frühzeitiger Metastasierung (Tochtergeschwülste auf hämatogenem oder lymphogenem Weg)) besteht, ist eine Biopsie (Probeentnahme von Gewebe zur histologischen Untersuchung) vom Arzt zeitnah notwendig.

 

Differenzialdiagnostik (DD)

Wichtig ist bei atraumatischer (ohne Verletzung) besonders brauner bis schwarzer Verfärbung des Nagels, dass ein Melanom ausgeschlossen werden muss. Hilfreich ist hier die ABCDE-Regel:

  • A – asymmetrische Verfärbung des Nagels;
  • B – unscharfe Begrenzung;
  • C – Colorit (braune bis schwarze Verfärbung);
  • D – Durchmesser mit schnellem Wachstum;
  • E – Erhabenheit im Sinne einer meistens höckerigen Oberfläche.

Bei Verdacht auf ein malignes (bösartiges) Melanom ist bis zur Abklärung der Diagnose die Behandlung durch den Fußprofi tabu.

 

Die Therapie

Oberste Priorität hat die Beseitigung der auslösenden Ursache. Im Vordergrund bei einem subungualen Hämatom am Zeh steht die Inspektion von passenden Schuhen (Abb. 2a und b).

Eine kleinere Blutung wächst meistens aus dem Nagel ohne Komplikation heraus. Bei einem ausgeprägten Hämatom wird das Blut mithilfe einer Trepanation (chirurgischer Eingriff, bei dem der Nagel durch ein kleines Loch in Lokalanästhesie [örtliche Betäubung] eröffnet wird) für eine schmerzlindernde Entlastung abgeleitet. Der Eingriff erfolgt nach Literaturangaben bei 50 Prozent der Nagelverfärbung mithilfe einer sterilen Kanüle, Elektrokauter oder einer erhitzten Nadel. Zu beachten ist oftmals ein schwallartiges Entleeren des Bluts, weshalb eine sterile Abdeckung hilfreich ist.

Anschließend erfolgen die Reinigung, das Auftragen einer antiseptischen Salbe und ein steriler Verband, um einen Eintritt von Mikroorganismen wie zum Beispiel Bakterien, Viren oder Pilzen mit drohender Infektion zu verhindern.

Am folgenden Tag ist ein Verbandwechsel mit Inspektion des trepanierten Nagels notwendig. Zur Schmerzlinderung sind die Verordnung eines Analgetikums (Schmerzmittel), ggf. Kryotherapie und temporäre Hochlagerung des Fußes zur Entlastung ratsam. Zur weiteren Nagelpflege sind Pflegeprodukte empfehlenswert, etwa GEHWOL MED Nagel- und Hautschutz-Öl, GEHWOL MED Nagel- und Hautschutz Creme oder GEHWOL MED Nagel- und Hautschutz Stift.

 

Tipps zur Prophylaxe

Präventiv sollten Traumen vermieden werden. Eine wichtige Rolle spielen vor allem passende Schuhe, um Druck und Reibung zu vermeiden (Abb. 4). Um Läsionen an den Fingern bei besonderen manuellen Arbeiten zu verhindern, sollten zum Schutz Handschuhe getragen werden.

Ferner ist auf eine konsequente häusliche Nagelpflege mit Tipps vom Fußprofi zu achten. Des Weiteren kommt eine professionelle und kontinuierliche Nagelbehandlung vor allem bei Diabetikern oder Betroffenen mit Nagelproblemen durch den Podologen infrage.

Bild4

Abb. 4: Wanderer (62 Jahre alt) mit subungualem Hämatom der rechten zweiten Zehe durch Schuhdruck und Reibung.

 

Unsere Autorin

Autorenbild

Dr. med. Renate Wolansky
Fachärztin für Orthopädie,
Sportmedizin, Naumburg